The Making of
Das Lächeln der Fortuna

Die Idee, einen historischen Roman zu schreiben, entstand während meines Studiums, als ich ein Referat über die englischen Könige Edward III. und Richard II. vorbereitete. Ich war fasziniert von den Persönlichkeiten dieser beiden so unterschiedlichen Herrscher, fasziniert aber vor allem von der spätmittelalterlichen Epoche, die sie beide mitgeprägt hatten: das 14. Jahrhundert, das soziale Umwälzungen und Revolten ebenso wie Pest und Krieg gekennzeichnet haben, und das trotzdem eine kulturelle Blütezeit war, deren Realität - soweit sie rekonstruierbar ist - so viele unserer Vorurteile über das Mittelalter widerlegt. Also erwog ich, über einen dieser beiden Könige eine Romanbiographie zu schreiben, stellte aber schnell fest, dass es mich viel zu sehr einengte, feststehende historische Fakten nacherzählen zu müssen.

Mein Mann brachte mich auf den Gedanken, die Geschichte einer fiktiven Figur zu schreiben, deren Schicksal sich mit dem der beiden Könige verknüpft. Und noch während wir darüber sprachen, hatte ich plötzlich eine Szene im Kopf: Ein zwölfjähriger Lausebengel, Sohn eines unbedeutenden kleinen Landedelmannes, reißt aus dem verhassten klösterlichen Internat aus und ...

Ich setzte mich hin und schrieb das, was heute das zweite Kapitel ist, ohne die geringste Ahnung, wie es weitergehen sollte. Diese Ausgangssituation wurde für den gesamten Roman symptomatisch. Ich recherchierte, während ich schrieb, wusste oft nicht, was als nächstes passieren würde, und die Geschichte entwickelte sehr bald ein Eigenleben und führte mich statt umgekehrt. Es bedeutete viel unnütze Arbeit, Handlungsstränge verliefen im Sande und mussten im nachhinein wieder gestrichen werden etc. - ein Chaos, das sich aber auf wundersame Weise selbst entwirrte. Und nie hatte ich die Befürchtung, den Überblick oder gar die Kontrolle zu verlieren. John of Gaunt, der Duke of Lancaster, löste schon bald die beiden Königsfiguren als historische Hauptperson ab, und ich hatte immer das Glück, die richtigen Bücher zur richtigen Zeit zu finden, wie etwa Anthony Goodmans gründliche, aber doch auch so menschliche Biographie John of Gaunt.

Das Manuskript wuchs nicht, es wucherte. Je dicker es wurde, um so überzeugter war ich, dass ich niemals einen Verlag für dieses Monstrum finden würde. Doch ich irrte mich. Der Bastei Lübbe-Verlag, der bereits zwei meiner Krimis veröffentlicht hatte, fand sich bereit, das Wagnis einzugehen - ich musste "nur" 300 Seiten herauskürzen, damit das Buch überhaupt gebunden werden konnte.

Der unerwartete Erfolg des Romans hat mir gezeigt, dass das Mittelalter – diese märchenhaft anmutende Welt von Rittern und Damen, die in Wahrheit die Realität unserer Vergangenheit ist – nicht nur auf mich eine große Faszination ausübt. Inzwischen sind drei weitere Romane aus dieser Epoche gefolgt, und einiges an meiner Arbeitsmethode hat sich natürlich geändert, seit ich mich vor über zehn Jahren hinsetzte und den ersten Satz von Das Lächeln der Fortuna schrieb. Heute plane ich ein bisschen mehr und recherchiere ein paar Wochen, ehe ich zu schreiben beginne. Aber es ist immer noch so, dass ich zu Beginn eines Romans keine Ahnung habe, wie er ausgehen wird. Nach wie vor habe ich das Gefühl, am Anfang eines Abenteuers zu stehen, wenn ich die ersten Worte schreibe. Und ich hoffe, dass das noch lange so bleibt.

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Richard III
und die ermordeten Prinzen

W

Achtung Spoiler!

Sie sollten diesen Beitrag erst nach dem Roman Das Spiel der Könige lesen.

Wie im Nachwort zu Das Spiel der Könige angekündigt, will ich hier ein wenig ausführlicher auf die Frage nach dem Mörder der Prinzen eingehen:

Richard III - oder Richard of Gloucester, wie er vor seiner Krönung hieß - gehört wohl zu den umstrittensten Gestalten der englischen Geschichte. Und die Entscheidung, ob er ein Erzschurke oder ein fähiger, für seine Zeit allenfalls durchschnittlich grausamer Herrscher war, hängt letztlich an einer einzigen Frage: Hat er seine beiden Neffen im Tower ermorden lassen oder nicht?

Jahrhundertelang galt als gesichert, dass Richard der dämonische Bösewicht und Mörder war, den wir von Shakespeare kennen. Etwa zu Beginn des 20. Jahrhunderts jedoch wurden Zweifel laut, und es bildete sich eine Fraktion, die den Standpunkt vertrat, Richard sei unschuldig und Opfer von Verleumdungen der Tudor-Propaganda. Immerhin war die Lancaster-Tudor-Partei ja als Sieger aus den Rosenkriegen hervorgegangen, und dem Sieger gehört nicht nur die Beute, wie wir wissen, sondern auch die Geschichtsschreibung.

Richard, hieß es also mit einem Mal, war unschuldig am Mord seiner Neffen. Die Fraktion, die diese Meinung vertrat (und es bis heute tut) nennt sich die „Revisionisten“. Die gegnerische Partei, die sogenannten „Traditionalisten“, halten trotz manch offener Fragen und Ungereimtheiten an der Überzeugung fest, dass Richard der Mörder seiner Neffen war, und zu den Traditionalisten zähle auch ich. Die Geschichtswissenschaft ist nicht an die Grundsätze eines rechtstaatlichen Verfahrens gebunden und muss im Zweifel nicht für den Angeklagten entscheiden. Sie darf es nicht einmal. Ein Freispruch für Richard ist nur möglich, wenn man die vorliegenden Fakten verbiegt oder ignoriert, und das sollte man bei der historischen Wahrheitssuche tunlichst vermeiden.

Zu den wichtigsten Vertretern der Revisionisten im literarischen Bereich zählen Sharon K. Penman (The Sunne in Splendour, leider nicht auf Deutsch erschienen) und Josephine Tey (Alibi für einen König, Originaltitel The Daughter of Time), deren Bücher ich mit großer Bewunderung und auch mit Vergnügen gelesen habe. Trotzdem glaube ich, dass die Kolleginnen sich im Irrtum befanden, und ich möchte hier kurz auf ihre Argumentationen eingehen, da meine revisionistisch gesinnten Leserinnen und Leser ihre Werke vermutlich ebenfalls kennen:

Penman gründet ihre Behauptung, Richard sei unschuldig am Tod seiner Neffen, vor allem darauf, dass er kein Motiv gehabt habe, da die frühere Ehe zwischen Edward IV. und einer gewissen Eleanor Butler die beiden Prinzen im Tower zu Bastarden gemacht habe, sodass sie doch sowieso niemals die Krone hätten erben können.

Klingt plausibel, oder?
Stimmt aber nicht.

Zum einen handelte es sich bei der angeblichen Verbindung zwischen König Edward und Eleanor Butler nicht um eine Heirat, sondern um ein „plight troth“, ein Eheversprechen. Das war keine Kleinigkeit und durfte nicht auf die leichte Schulter genommen werden, denn es war verbindlich. Aber nicht unauflösbar. Genau solch ein „plight troth“ war es auch, das die zwölfjährige Margaret „Megan“ Beaufort an John de la Pole band, doch ein Wort des Königs reichte, um es aufzulösen, sodass sie Edmund Tudor heiraten konnte. Das ist schon einmal das erste wacklige Bein, auf dem das Argument der Revisionisten steht: Selbst wenn ein solches „plight troth“ zwischen Edward und Eleanor geschlossen worden sein sollte – wofür es keinen stichhaltigen Beweis gibt – wäre es keinesfalls unmöglich für den spitzbübischen Edward gewesen, sich vor der Heirat mit Elizabeth Woodville aus dem Verlöbnis mit Eleanor Butler herauszuwinden.

Das zweite wacklige Bein sind die Zeugen für dieses angebliche Eheversprechen. Es war der schwer kranke, greise Robert Stillington, Bischof von Bath und Wells, der diese Bombe zu dem für Richard so wundersam passenden Zeitpunkt im Sommer 1483 platzen ließ und behauptete, er persönlich habe dieses „plight troth“ zwischen Edward und Eleanor Butler bezeugt. Die Anwesenheit eines Geistlichen beim Tausch eines solchen „plight troth“ war aber überhaupt nicht erforderlich und darum unüblich. Wieso König Edward also einen Bischof mit zu der heimlichen Verlobung genommen haben sollte, die, falls sie stattgefunden hat, doch nur dazu diente, die schöne Eleanor in sein Bett zu locken, das wissen wohl nur die Revisionisten.

Übrigens: Selbst Richard und seinen Anhängern muss die Mär vom „plight troth“ ziemlich hanebüchen vorgekommen sein, denn zur Sicherheit ließen sie gleichzeitig auch noch einmal das alte Gerücht kursieren, König Edward selbst sei ein Bastard gewesen, das Warwick der Königsmacher schon fünfzehn Jahre zuvor ins Feld geführt hatte. Und das Beste kommt noch: Im März 1485 starb Richards Gemahlin Anne Neville, woraufhin Richard beschloss, seine Nichte Elizabeth zu heiraten. (Sharon Penman bestreitet diese Absicht, sie gilt aber inzwischen als zweifelsfrei erwiesen). Hätte König Richard seine Nichte heiraten wollen, wenn er sie für einen Bastard gehalten hätte? Sicher nicht. Er wollte sie haben, um seinen Anspruch auf die Krone zu untermauern. Wenn aber Elizabeth kein Bastard war, dann waren es ihre Brüder, die verschollenen Prinzen, ebenso wenig.

Trotz alledem will Ms. Penman uns in ihrem Roman weismachen, die beiden Prinzen hätten keinen Anspruch auf die Krone geltend machen können, somit habe Richard auch kein Motiv gehabt, sie zu ermorden. Sie verdächtigt stattdessen den Duke of Buckingham, der ihrer Meinung nach die Prinzen aus dem Wege räumen ließ und den Verdacht auf Richard lenkte, um selber als lachender Dritter die Krone zu ergattern. Ich würde nicht ausschließen, dass Buckingham zu so etwas fähig gewesen wäre – von den Akteuren dieses turbulenten Sommers und Herbstes 1483 ist er mir weiß Gott nicht der Liebste. Nur: Selbst nach einem – höchst unwahrscheinlichen – Sturz Richards hätten immer noch dessen Sohn und der Thronanspruch Henry Tudors zwischen Buckingham und der Krone gestanden. Ein Kinderdoppelmord für so einen ungewissen Lohn? Eher nicht. Buckingham fällt als Täter aus, so gern die Revisionisten ihn auch in der Rolle sähen, denn er hat kein überzeugendes Motiv. Außerdem gibt es in keiner der zeitgenössischen Chroniken auch nur einen geflüsterten Verdacht gegen ihn.

Die Frage der Chronisten bringt uns zu Josephine Tey. In ihrem Roman Alibi für einen König rollt ein ans Bett gefesselter Inspektor von Scotland Yard Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts aus Langeweile den Fall Richard nochmals auf und kommt zu dem gleichen Schluss wie Ms. Penman: Richard war unschuldig. Tey gründet ihre Schlussfolgerung zum einen auf eine ganze Reihe historischer Fehlinformationen, auf die hier einzugehen den Rahmen sprengen würde, aber glauben Sie mir, es ist so. Und sie entwickelt eine relativ schlichte Methode, Richard von allen Vorwürfen reinzuwaschen, indem sie die Chronisten, die ihn belasten, diskreditiert. Das ist ziemlich schlau (weswegen Anwälte in amerikanischen Spielfilmen das ja auch immer mit gegnerischen Zeugen tun), aber einer genaueren Betrachtung hält es nicht Stand:

Der Chronist, der für Richards schlechtes Image die größte Verantwortung trägt, ist Sir Thomas More, welcher eine Biographie über Richard verfasste (History of Richard III, Erscheinungsjahr unbekannt). Er beschreibt minutiös, wie Richard den Mord an seinen beiden Neffen in Auftrag gegeben hat, wie genau die Tat ausgeführt wurde usw. Aber, stellt Ms. Tey empört fest, Thomas More war erst fünf Jahre alt, als die Prinzen im Tower verschwanden!

Stimmt. Doch als More seine Richard-Biographie verfasste, konnte er auf eine Reihe von Zeugen zurückgreifen, die 1483 in der ersten Reihe gesessen hatten.

Und, fährt Ms. Tey ebenso empört fort, More war ein Tudor-Anhänger, der es sogar unter Henry VIII. zum Lord Chancellor brachte! Natürlich hat er geschrieben, was die Tudors lesen wollten!

Wirklich? Für diejenigen, die es vielleicht vergessen haben, sei daran erinnert, dass Sir Thomas More erst sein Amt und dann seinen Kopf verlor, weil er sich weigerte, Henry VIII. als Oberhaupt der Englischen Kirche anzuerkennen. Ich glaube, viel mehr kann man nicht tun, um seine politische Integrität und Unbestechlichkeit zu beweisen.

Zu Mores Quellen gehörte unter anderen auch John Morton, 1483 Bischof von Ely, in dessen Haushalt More ein paar Jahr erzogen worden war. Ach, Morton!, ereifert sich Ms. Tey. Der hat schon im Juni 1483 gegen Richard rebelliert und es unter den Tudors weit gebracht.

Das ist richtig. Na und? Da er ja nicht der einzige ist, der Richard den Mord an den Prinzen vorgeworfen hat, ist doch wohl wahrscheinlich, dass er zusammen mit William Hastings im Juni 1483 rebellierte, weil er Richards Machtergreifung vereiteln wollte.

Eine von More völlig unabhängige Quelle, die Richard belastet, ist der Chronist der Crowland-Abtei. Ihn tut Ms. Tey mit dem Hinweis ab, dass Crowland in der Diözese Ely liege und er daher unter Mortons Fuchtel gestanden habe. Jetzt wird Ms. Tey absurd. Erstens war Bischof Morton zu der Zeit, als der Chronist die Ereignisse beschrieb, in Wales in der Gefangenschaft bzw. in Frankreich auf der Flucht, und zweitens waren die Klöster völlig unabhängig von den Diözesen. Zwischen dem Abt von Crowland und dem Bischof von Ely bestand weder Interessengemeinschaft noch Weisungsbefugnis.

Die letzte zeitgenössische Quelle, die Richard belastet, wiegt vielleicht am schwersten, weil sie völlig unabhängig ist: Dominic Mancini war ein italienischer Gelehrter aus bester römischer Familie, der als Gesandter und möglicherweise auch als Spion des Erzbischofs von Vienne Anfang 1483 für ein halbes Jahr nach England kam und nach seiner Heimkehr einen Bericht mit dem Titel „Die Usurpation Richards III.“ verfasste. Er beschreibt, dass die beiden Prinzen immer seltener im Tower gesehen wurden und schließlich gänzlich verschwunden seien. Er habe viele Männer in Tränen und Wehklagen ausbrechen sehen, sobald die Prinzen erwähnt wurden, und es werde vermutet, sie seien ermordet worden. Als Quelle nennt Mancini Dr. Argentine, den Leibarzt des Prince of Wales.

Da selbst Ms. Tey vermutlich kein plausibles Argument eingefallen ist, um Mancinis Glaubwürdigkeit in Zweifel zu ziehen, hat sie ihn und seinen Bericht kurzerhand unterschlagen. Oder vielleicht hat sie auch nichts von seinem Bericht gewusst. Der wurde nämlich erst in den 1930er Jahren gefunden und war möglicherweise noch nicht allgemein bekannt, als sie rund 20 Jahre später ihren Kriminalroman verfasste. Jedenfalls strickt Ms. Tey sich eine Lösung zurecht, die viele Revisionisten bevorzugen: Richard hat den Prinzen kein Haar gekrümmt. Sie waren noch am Leben, als Henry „Richmond“ Tudor die Schlacht von Bosworth gewann und Henry VII. von England wurde. Der neue König fand die Prinzen im Tower vor – oder wo auch immer – und weil sie ihm hätten gefährlich werden können, ließ er sie ermorden.

Ich behaupte nicht, dass das vollkommen ausgeschlossen ist. Bei aller Sympathie für Henry muss selbst ich einräumen, dass er in dem knappen Vierteljahrhundert seiner Regierung nicht gerade zimperlich mit yorkistischen Thronprätendenten umgegangen ist – echten wie auch Hochstaplern −, von denen er immer wieder heimgesucht wurde. Nur: Diese Theorie ist reine Spekulation. Einmal abgesehen von der Frage, wie es möglich sein sollte, dass die beiden Prinzen zwei Jahre lang niemand gesehen hat, gibt es nicht ein einziges handfestes Indiz, das Henry Tudor belastet. Ganz im Gegensatz zu Richard. Für ihn sprechen eine ganze Reihe von Indizien:

Er hatte das beste Motiv, denn nur die beiden Prinzen standen zwischen ihm und dem Thron.

Er hatte Mittel und Gelegenheit zu diesem Mord, denn er war Lord Protector von England und durfte es laut Beschluss des Kronrates „wie ein zweiter König“ regieren.

Englische Lords und Ritter verabscheuten ihn. 400 von ihnen liefen im Laufe der zwei Jahre seiner Regentschaft zu Henry Tudor über, und bei der entscheidenden Schlacht von Market Bosworth ließen sowohl Northumberland als auch die Stanleys ihn im Stich. Das ist äußerst ungewöhnlich für englische Adlige des Mittelalters, bei denen ein solches Verhalten unter normalen Umständen als ausgesprochen unehrenhaft und schändlich gegolten hätte. Aus welchem Grund könnten sie Richard so verachtet haben, dass es dieses Verhalten rechtfertigte, wenn nicht aus dem, dass sie ihn für den Mörder seiner Neffen hielten?

Und last but not least: Drei voneinander unabhängige zeitgenössische Chroniken belasten Richard.

Übrigens: Sir Thomas More, dessen Bericht über diese rätselhaften Ereignisse laut Ms. Tey angeblich nur auf Hörensagen, übler Nachrede und Propaganda beruhte, schrieb, dass die Prinzen nach ihrer Ermordung unter der Außentreppe zur St. Johns-Kapelle im White Tower verscharrt worden seien. Unter genau dieser Treppe wurden bei Abrissarbeiten im Jahr 1674 die beiden Kinderskelette gefunden. Auch ein Umstand, den die Revisionisten gern verschweigen.

Rebecca Gablé, August 2007

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Was aus Julian, Blanche und ihren
Nachkommen wurde …

W

Julian unterstützte ...

... die politische Neuordnung und die Bewältigung des Chaos‘, das 30 Jahre Bürgerkrieg hinterlassen hatten. Wenige Monate nach seinem 50. Geburtstag zog er im Juni 1487 bei der Schlacht von Stoke noch einmal ins Feld. Danach entschied er, dass sein Eid an Edmund Tudor nun endgültig erfüllt sei, gab das Waringham-Schwert an seinen ältesten Sohn Robin weiter und zog sich nach Waringham zurück. In dem „neuen Haus“, das er dort auf Janets Wunsch gebaut hatte, lebte er mit seiner Frau, seinem Steward Lucas Durham, der Julians Nichte Martha Neville geheiratet hatte, und seinem alten Freund und Weggefährten Tristan Fitzalan und dessen Familie. Wie einst seinen Kindern war Julian auch seinen Enkeln sehr zugetan und widmete ihnen einen Großteil seiner Zeit. Im ersten Frühling des neuen Jahrhunderts wurde er herzkrank und merkte bald, dass sein Ende nahe war. Am St. Georgs-Tag, dem 23. April des Jahres 1500 diktierte er ein neues Testament, in welchem er auch das Kloster St. Thomas großzügig bedachte, weil der königliche Bastard seiner Frau dort ein Zuhause, seine Frau und seine Kinder nach der Schlacht von Tewkesbury eine Zuflucht gefunden hatten, und starb in der folgenden Nacht.

Stammbaum

Janet war 55, als sie verwitwete, und bei bester Gesundheit. Nachdem sie ihre Trauer überwunden hatte, ließ sie sich eine Kutsche bauen und reiste kreuz und quer durch England und Wales, um ihre weit verstreute Kinder- und Enkelschar zu besuchen. In Waringham wurde sie zu einer stets willkommenen, aber seltenen Besucherin. Bei der Beerdigung des Thronfolgers Prince Arthur 1502 begegnete sie der jungen Margaret Pole, Countess of Salisbury, Tochter von Janets einstigem Schützling Isabel Neville. Die beiden Frauen verband bald eine tiefe Freundschaft, und als 1509 der junge König Henry VIII. Lady Margaret als Hofdame seiner Gemahlin Katharina „Catalina“ von Aragon an den Hof holte, begleitete Janet sie. Sie verbrachte ihren Lebensabend bei Hofe und starb im Alter von vierundsiebzig Jahren gerade noch rechtzeitig, um nicht miterleben zu müssen, wie ihr Enkel Jasper sich mit dem König überwarf und in Ungnade fiel.

Robin hatte Waringham als Siebenjähriger verlassen, als er mit seinen Eltern und den Tudor ins Exil ging, und kehrte erst mit Anfang 20 zurück. Er war immer stolz auf seinen Namen und fühlte sich den Traditionen verpflichtet, die damit einhergingen, aber er hatte keine Wurzeln an dem Ort, der zu diesem Namen gehörte. Er interessierte sich weder für Landwirtschaft noch sonderlich für Pferdezucht und besaß auch „die Gabe“ nicht, sondern zog es vor, König Henrys Leibwächter, Ratgeber, Freund, sein „Schatten“ zu sein und eben diese Form der Familientradition fortzuführen, während er Waringham lieber seinem Vater überließ.

Als Henry VII. gleich zu Beginn seiner Herrschaft in seinem Ringen um Frieden yorkistische Witwen und Erbinnen an lancastrianische Lords verteilte, heiratete Robin auf Drängen des Königs Elizabeth Stanley (eine Nichte von Margaret „Megan“ Beauforts drittem Gemahl), die ihm 1486 einen Sohn schenkte und dabei verblutete. Robin bedauerte das Schicksal seiner jungen Frau, empfand aber wenig persönliche Trauer, denn es war eine politische Ehe gewesen. Er nannte das Kind Jasper zu Ehren des Onkels des Königs, Jasper Tudor, den er bewunderte, und kehrte zu seinem oft ziemlich ausgelassenen Junggesellendasein bei Hofe zurück. Wie einst sein Großonkel Raymond war auch Robin ein berüchtigter Verführer, hatte ein rundes Dutzend Bastarde und jede Menge Spaß, bis der König im April 1502 seinen Erstgeborenen, ein knappes Jahr später seine Königin verlor und noch ernster und frömmer wurde als zuvor. In dieser Lebenskrise wandte König Henry sich mehr denn je Robins Schwager, dem Dichter Mortimer Welles zu, was wie eh und je Robins Eifersucht weckte. Immer häufiger zog es ihn jetzt nach Waringham. Er verliebte sich in Alice Neville, die verwitwete Schwester seines Stallmeisters, und heiratete sie. Es wurde eine unerwartet glückliche Ehe, aus der aber keine Kinder hervorgingen, und in den mittleren Jahren entdeckte Robin die Vorzüge eines beschaulichen und geregelten Lebens auf dem Land. Doch als der König (vermutlich an Tuberkulose) erkrankte, kehrte Robin noch einmal an den Hof zurück und blieb bis zu Henrys Tod im August 1509 dort.

Mit dem neuen jungen König, Henry VIII., verband ihn nichts. Er zog sich endgültig aus dem öffentlichen Leben zurück und unternahm mit Alice mehrere Reisen zu seinen Verwandten in Nordengland und Wales (Seereisen mied er indes). Anfang September 1515 – zwei Wochen nach der Geburt seines Enkels Nicholas – setzte er sich daheim in Waringham zu einem Mittagsschläfchen in seinen Lieblingssessel und wachte nie wieder auf.

Alice und ihr Mann, Andrew Devereux, begleiteten Jasper Tudor und Blanche of Waringham nach Pembroke, und Alice setzte nie wieder einen Fuß auf englischen Boden, denn ihre Tante Blanche hatte geträumt, in England lauere Alice‘ Verderben. Andrew wurde Jasper Tudors Steward in Pembroke. Obwohl ein englischer Marcher Lord, war er in Wales beliebt und geachtet. 1487 brachte Alice ihren Sohn Julian zur Welt, aber alle weiteren Schwangerschaften endeten mit Fehlgeburten, oder die Kinder lebten nur wenige Stunden. Anders als eine Generation später König Henry VIII., fanden Alice und Andrew sich mit Gottes Ratschluss ab, und Alice wusste dank eines alten Familienrezepts neuerliche Schwangerschaften zu vermeiden.

Als Andrews Vater (und Blanches Gemahl) Thomas Devereux 1497 endlich das Zeitliche segnete, wurde er mit einiger Verspätung des Verrats schuldig befunden, und das Familiengut Lydminster Manor fiel an die Krone. Andrew ging nach Westminster und kämpfte vor Gericht um sein Erbe, aber vergebens. Auf der Rückreise traf er in Exeter einen Mann namens Perkin Warbeck, der eine kleine Armee um sich geschart hatte und behauptete, er sei Richard of York, einer der verschwundenen Prinzen aus dem Tower. Andrew lachte ihn aus und sprach zu Warbecks Getreuen, um sie zur Vernunft zu bringen. Er erklärte, sein eigener Bruder habe die beiden Prinzen ermordet, seine Frau könne das bezeugen, und er riet ihnen, lieber nicht auf diesen Hochstapler zu hören und sich zu zerstreuen, ehe der König von diesem Unsinn hörte. Er setzte die Heimreise nach Pembroke fort, ohne seine Verfolger zu bemerken, und am Morgen nach seiner Ankunft fand man Alice und ihn ermordet in ihrem Bett.

Ihr zehnjähriger Sohn Julian war auf einen Schlag verwaist und landlos. Er wurde nach Penmynydd geschickt, dem Stammsitz der Tudor, der an Blanches und Jaspers ältesten Sohn Owen gefallen war, wuchs dort wohl behütet mit dessen Sohn zusammen auf und trat 1509 in den Dienst der jungen Königin Catalina. Er heiratete Jacquetta Finley aus Rickdale, mit der er zwei Söhne und eine Tochter hatte. Ihren Erstgeborenen nannten sie Albert, weil der Name in Jacquettas Familie gebräuchlich war, und Albert folgte seinem Vater und trat als junger Ritter in den Dienst der Königin.

Edmund fuhr im Auftrag der Krone zur See, um unbekannte Länder und Handelsrouten zu erforschen. 1497 segelte er mit John Cabots kleiner Flotte weiter auf den Atlantik hinaus, als sich je ein englisches Schiff vorgewagt hatte, und sie fanden ein Land, (das sie folgerichtig „New Found Land“ nannten), wenn auch nicht die gesuchte Passage nach China. Edmund hatte bereits 1490 ein Haus in Bristol gekauft und Charlotte Fitzalan geheiratet. Obwohl er nicht oft daheim war (die meisten seiner späteren Fahrten führten ihn nach Afrika), bekamen er und Charlotte vier Söhne und zwei Töchter. Edmund – der Älteste – fing mit kaum zwölf als Schiffsjunge auf der Karavelle seines Vaters an, die nach alter Tradition ebenfalls Edmund hieß. Edmund senior starb 1522 im Alter von 58 Jahren auf See, und wenngleich die Insel La Palma in Sichtweite lag, wurde er seinem Wunsch entsprechend auf See bestattet.

Edmund Edmundson, wie sein Sohn sich nannte, setzte die Erkundungsfahrten entlang der afrikanischen Küste fort, segelte aber auch für die Company of Merchant Adventurers. Er heiratete Anna Vandermer, die Tochter eines Antwerpener Kaufherren, mit der er zwei Söhne bekam, Edmund und Arthur.

John war 1489, als er mündig wurde, von Henry VII. mit einem kleinen Gut an der Küste Yorkshires belehnt worden. Er blieb jedoch vorest als Steward in Waringham und kümmerte sich während der häufigen Abwesenheit seines ältesten Bruders um dessen mutterlosen Sohn Jasper, bis Robin den Jungen im Alter von acht Jahren an den Hof holte, wo er mit Prinz Arthur gemeinsam aufwachsen und unterrichtet werden sollte. John heiratete 1490 seine entfernte Cousine Joanna Fitzroy, die Tochter des Earl of Burton. Sie bekamen sieben Kinder, von denen aber zwei im Säuglingsalter starben. Erst nach dem Tod seines Vater im April 1500 brachte John seine Familie auf sein Gut in Yorkshire, wo er mit mäßigem Erfolg Schafe züchtete. 1520 entdeckte er bei der Suche nach einem verloren gegangenen Lamm ein Kohlevorkommen von beachtlicher Größe auf seinem Land. Da das Interesse an Kohle aufgrund von Bevölkerungswachstum und drohender Holzknappheit gerade zu steigen begann, beschloss er, das Vorkommen auszubeuten, eröffnete die erste Kohlengrube Yorkshires und wurde reich.

Juliana und ihr Gemahl Mortimer Welles erhielten von Henry VII. ein schönes Stück Land in der Nähe von Carmarthen in Wales. Juliana, die „die Gabe“ besaß, begann, die dort verbreiteten, klugen und ausdauernden Kleinpferde zu züchten, die die Waliser gern als Reit- und Zugtiere nutzten, und verdiente damit ein bescheidenes Einkommen, das ihre nicht sehr üppigen Pachteinnahmen aufbesserte. Mortimer erhielt ein königliches Richteramt, das lukrativ hätte sein können, hätte er mehr Bußgelder vereinnahmt. Aber Mortimer interessierte sich mehr für Bücher und Poesie und war ein ausgesprochen nachsichtiger Richter, wofür die Einwohner seines Distrikts ihn vergötterten. Juliana und Mortimer bekamen vier Töchter.

Harry erhielt 1492 ein kleines Lehen nahe Ripley in Cheshire und heiratete Anne Grey – gegen den ausdrücklichen Wunsch ihres Vaters Baron Lisle, der den Waringham aus politischen Gründen misstraute. Harry entführte seine ausgesprochen willige Braut während der Osterfeierlichkeiten bei Hofe 1494 und brachte sie nach Waringham, wo sie heirateten, ehe der erzürnte Vater sie einholen konnte. Wegen dieses ungebührlichen Betragens verlor Harry um ein Haar das Wohlwollen des Königs, und natürlich bekam er von Baron Lisle keine Mitgift. So lebten er und seine Anne zurückgezogen und in bescheidenen Verhältnissen, dafür aber meistens glücklich, in Ripley und bekamen zwei Söhne und zwei Töchter. Bei der Geburt ihres Jüngsten starb Anne. Harrys Trauer war bitter, und er überlebte seine Frau auf den Tag genau um achtzehn Jahre.

Sein Ältester, Raymond, übernahm das Gut, seine Tochter Blanche heiratete einen walisischen Marcher Lord, Joanna einen englischen, und die beiden Schwäger führten eine erbitterte Fehde um ein Stück Land, das sie beide für sich beanspruchten, was die Verbundenheit der Schwestern indes nicht beeinträchtigte. Harrys jüngster Sohn, John, ging nach Oxford und studierte Theologie und Medizin.

Was wurde nach 1485 aus Blanche, Jasper und ihren Nachkommen?

Stammbaum

Blanche und Jasper erlebten noch einige stürmische Jahre, wie es ihrer Natur entsprach. Jasper Tudor übernahm eine wichtige Rolle bei der Neuordnung des Landes und der Regierung. Am 28. Oktober 1485 – zwei Tage vor der Krönung seines Neffen Henrys VII. – wurde er zum Duke of Bedford erhoben und erhielt seine geliebte walisische Grafschaft Pembroke zurück. Und wie versprochen heiratete er wenige Tage nach der Krönung Katherine Stafford, die Schwester der einstigen yorkistischen Königin Elizabeth Woodville, die ihm als Witwe des Duke of Buckingham weitere gewaltige Ländereien einbrachte.

Aber Jasper hielt Wort, verkehrte nur sporadisch und in der Öffentlichkeit mit seiner Frau, und schließlich fand Blanche sich damit ab, dass er in dieser Frage den Wünschen des Königs gefolgt war, nicht den ihren. Sie verbrachten ohnehin die meiste Zeit in Wales, wo Jasper das Amt des Justiziars ausübte und unermüdlich bemüht war, den Walisern ein besseres Leben und eine bessere Regierung als in der Vergangenheit zu geben. In Wales fühlte Blanche sich immer frei und fand es leicht, ihre unsichere und eigentlich unmögliche Position auszuhalten. Schwierig wurde es nur dann, wenn sie an den Hof mussten, wo man hinter ihrem Rücken über die alternde Geliebte des mächtigen Duke of Bedford tuschelte. Die Lage verschlimmerte sich, als Jasper Tudor sich mit dem Abt des Klosters von St. Thomas überwarf und das Kloster große Ländereien an ihn verlor. Der Abt rächte sich, indem er dafür sorgte, dass keiner ihrer Söhne bei Hof Karriere machen konnte, denn er ließ König und Lords niemals vergessen, dass sie Bastarde waren. Doch nachdem Jasper das 60. Lebensjahr vollendet hatte, zog er sich allmählich aus der Politik und auf seine weitverstreuten Ländereien zurück, und das Leben wurde gemächlicher. Er starb am 21. Dezember 1495 in Thornbury in Gloucestershire.

Blanche kehrte England endgültig den Rücken. Da ihre Söhne Jasper nicht beerben konnten, fielen Pembroke und alle anderen Besitztümer zurück an die Krone. Der König hatte indessen in aller Diskretion Penmynydd, den Stammsitz der Tudor, auf seinen Cousin Owen, Blanches und Jaspers Ältesten, überschrieben. Dort bezog Blanche ein bescheidenes Haus im Dorf und frönte ihrer alten Leidenschaft, der Heilkunst, bis sie im bitterkalten Winter 1501/02 an einer Lungenentzündung erkrankte. Sie starb am 3. Februar, nur wenige Tage nach ihrem 65. Geburtstag.

Owen heiratete 1486 nicht die yorkistische Erbin, die der König für ihn ausgesucht hatte, sondern die Tochter des französischen Gesandten, Philippa de Beaumaris. König Henry, der sein Leben lang private Wünsche hinter politische Notwendigkeiten zurückgestellt hatte, fand kein Verständnis für diese Liebesheirat, und es gab einen erbitterten Streit zwischen den beiden Cousins. Owen bat um Erlaubnis, sich nach Penmynydd zurückziehen zu dürfen, die umgehend gewährt wurde. Beide wussten, es war in gewisser Weise eine Verbannung, und um die Bitterkeit des Augenblicks zu mildern, schenkte der König Owen zum Abschied ein gewisses Silberkreuz an einem Lederband. Owen brachte seine junge Frau nach Wales, in das sie sich sofort verliebte, und obwohl sie in Paris aufgewachsen war, wurde sie glücklich in Penmynydd. 1487 gebar sie ihren Sohn Owen, konnte danach aber kein weiteres Kind austragen und starb 1496 bei einer Fehlgeburt. Owen überlebte sie um zwölf Jahre und tröstete sich mit einer Reihe von verheirateten Geliebten aus der Nachbarschaft. Am 15. August 1508, im Alter von siebenundvierzig Jahren, kam er von einem nächtlichen Rendezvous mit einer dieser Damen während eines schweren Gewitters heim. Sein Pferd scheute beim Überspringen eines Zauns vor einem Blitzschlag, Owen stürzte und brach sich das Genick.

Owen junior hatte einen Monat vor dem Tod seines Vaters in großer Eile Ellen Gifford, die Tochter eines Marcher Lords, geheiratet, die noch vor Weihnachten ihren Erstgeborenen zur Welt brachte, den sie Rhys tauften. Ihm folgten 1511 die Zwillinge Jasper und Edmund, 1512 wieder ein Owen und drei Jahre später Madog. Mit fünf Söhnen und streitlustigen Eltern war es ein turbulenter Haushalt. 1521 ertrank der Vater der fünf Jungen auf dem Weg nach Frankreich bei einem Schiffsunglück. Rhys, mit dreizehn Jahren selbst nach walisischer Sitte eigentlich noch zu jung, übernahm die Verantwortung für seine Brüder, den Gutsbetrieb und die kleine Pferdezucht.

Caitlin hatte bereits 1482, noch während des Exils in der Bretagne, den bretonischen Edelmann Hugo Sant-Brieg geheiratet und zog mit ihm auf seine bescheidenen Ländereien in der Nähe von Vannes. Es wurde eine ausgesprochen glückliche Ehe, aus welcher drei Kinder hervorgingen.

Angharad heiratete sehr spät im Alter von achtundzwanzig Jahren. Gegen das ausdrückliche Verbot ihres Vaters brannte sie mit Rhodri Herbert durch, einem Neffen seines Todfeindes William „Black Will“ Herbert. Blanche konnte nur mit größter Mühe verhindern, dass Jasper ihre Tochter verstieß. Er prophezeite Angharad, dass sie ihren Ungehorsam bitterlich bereuen, ihr nichtsnutziger Mann sie Tag für Tag verprügeln und vergewaltigen werde. Für diesen Fall stellte Blanche in Aussicht, sich Jaspers Schwert zu borgen und ihrem Schwiegersohn einen Besuch abzustatten. Doch die Sorge erwies sich als unbegründet, und Blanche musste ihre fürchterliche Drohung nicht wahrmachen. Rhodri trug seine Angharad auf Händen, und aus der Ehe gingen vier Kinder hervor.

Goronwy war drei Jahre alt, als seine Familie ins Exil in die Bretagne fliehen musste. Dort wuchs er zwischen seinem großen Bruder und seinen fünf Cousins auf und merkte früh, dass er grundlegend anders war als sie. Im Alter von dreizehn Jahren entwickelte er Gefühle für seinen ältesten Cousin, Henry Tudor, die weit über die Bewunderung hinausgingen, die die anderen jungen Männer dem Thronanwärter entgegenbrachten. Goronwy haderte mit seiner Veranlagung, aus der er immer ein Geheimnis machte. Er versuchte, so zu sein und sich zu benehmen wie sein Bruder Owen, entfremdete sich immer weiter von sich selbst und verbrachte die Jahre des Heranwachsens in zunehmender Verzweiflung. Nach der Rückkehr nach England, der Schlacht von Bosworth und Henry Tudors Krönung bat er den König, ihn aus seinen Diensten zu entlassen, um in den Franziskanerorden einzutreten. Henry – selber ein äußerst frommer Mann und wie alle Tudor den Franziskanern besonders verbunden – zögerte nicht. Goronwy ging ins Kloster in Carmarthen und merkte bald, dass er hier den Ort gefunden hatte, wo er sein konnte.

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Waringham-
Stammbaum Teil 1

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Waringham-
Stammbaum Teil 2

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